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Text erschienen im:
Design- und Netzkultur Magazin POSTR No.14 - Juni 2022

QUANTISIERTES BLAU

Das Meer ist blau. Auch in der Erinnerung.
Wir leben in einer Zeit gigantischer Cloud-Speicher und kontinuierlicher Datentransformationen ...



2016 habe ich alle meine privaten digitalen Fotos in Schwarzweiß konvertiert, um meine Wahrnehmung von 'Vergänglichkeit' zu rekalibrieren. Unter den entfärbten Bildern waren auch solche vom Urlaub an der Nordsee:





Auch ohne medialen Anker ist das Meeres-Blau in meiner sinnlichen Erinnerung nicht verblasst. 2021 hat hier künstliche Intelligenz eine weitere Transformation ermöglicht: Mittels eines 'image colorization deep learning models' wurde das Meer maschinell wieder blau geträumt:





Mindestens 3 Blaus waren nun zählbar: mein aus der Erfahrung direkt verinnerlichtes, jenes im originalen Foto und das digital-neuronal erlernte - von den weiteren subjektiven Blau-Vermischungen und dem objektiv messbaren Blau mal ganz zu schweigen. Es mussten also sehr viele sein.





Im nächsten Schritt habe ich dieses mehrdimensionale Blau rabiat auf 17 diskrete RGB Werte reduziert und diese in Animation und Musik als Meer- & Schallwelle komponiert: 17 Xylophone bauen entlang einer Ganzton-Skala polyrhythmisch überlagert (1:1 bis 17:1) einen sich in der Brandung brechenden blauen 'Wellen Akkord' auf. Somit hatte das Blau jetzt auch eine zeitliche und harmonische Ausdehnung - das hatte es aber bestimmt schon immer:

komponiert auch für: www.konnakol.de - dt. Netzwerk für südindische Rhythmik


Aus den älteren (entfärbten) Blaus habe ich weitere Collagen erstellt und digitale Windräder gebaut, welche auch persönlich angepustet werden - denn ohne Auslöser keine Welle:







Wenn ich heute vom damaligen Nordsee-Urlaub träume, ist da ein vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Blau. Auch Farben können kommen und gehen.





Vielen Dank, liebe K.I. für die sanfte, inspirierende Kooperation - in ähnlicher Form gerne wieder!




(Das) Meer zu sehen & hören unter: www.johanneswinkler.de/blau
sowie komplett auf meinem Instagram Account:
 winkler.works | Post No.100 und No.115

'Waves of Gatis in the Ocean of Time' auch hier zu hören in WDR 3 'Studio Neue Musik' vom 13.02.2022 über ästhetische Implikationen bzgl. 'Streaming & Auflösung'.



Johannes Winkler
Medienkünstler, Komponist
Essen, Mai 2022